Giardien beim Hund

Wenn der Vierbeiner Durchfall hat, so stĂ¶ĂŸt man im GesprĂ€ch mit anderen Hundebesitzern oder bei der Recherche im Internet schnell auf Giardien als Ursache. Meist liest man haarstrĂ€ubende Geschichten ĂŒber langwierige Krankengeschichten und Behandlungen, die gefĂŒhlt Jahre dauern. Warum die Giardiasis aber kein solches Schreckgespenst ist wie Internetforen einen auf den ersten Blick glauben lassen erlĂ€utern wir euch in diesem Beitrag.

Was sind Giardien beim Hund?

Giardien sind weltweit vorkommende einzellige Parasiten, die bei SĂ€ugetieren, Vögeln und Reptilien eine Krankheit namens Giardiasis verursachen.  Die meisten Erkrankungen unserer Hunde werden durch Giardia duodenalis (syn. lamblia/intestinalis) ausgelöst. Giardia duodenalis wird noch unterteilt in verschiedene Genotypen oder Assemblagen, die bevorzugt bestimmte Tierarten oder auch Menschen befallen. Bei uns Menschen sind Giardien ĂŒbrigens ein typisches „Urlaubsmitbringsel“ aus den Tropen und verursachen „Montezumas Rache“, auch bekannt als ReisedurchfĂ€lle.

Giardien besiedeln meist den oberen Teil des DĂŒnndarms, können aber auch dessen tiefe Anteile, den Dickdarm und sogar die Gallenblase befallen. Dort vermehren sich die Einzeller durch Teilung und bilden eine sogenannte Cyste, welche anschließend mit dem Kot ausgeschieden wird. Giardiencysten sind sehr widerstandsfĂ€hig und können in der Umwelt Wochen bis Monate ĂŒberleben. Die Cyste wird dann, zB beim Abschlecken eines fremden „HĂ€ufchens“, vom nĂ€chsten Wirt aufgenommen und gelangt ĂŒber das Maul in den Verdauungstrakt. Dort beginnt dann wieder die Teilung und die Ausscheidung von Cysten. Der Befall mit Giardien kann die Darmschleimhaut so sehr irritieren und entzĂŒnden, dass es zu akuten, also plötzlich auftretenden, oder aber zu intermittierenden, also immer wieder auftretenden, DurchfĂ€llen fĂŒhren kann. HĂ€ufig verlaufen die Infektionen aber auch ganz ohne Symptome was bedeuten kann, dass ein Hund der nicht sichtbar erkrankt ist, als ÜbertrĂ€ger fungiert.

Hunde die an Giardiasis erkrankt sind haben meist breiigen bis wĂ€ssrigen Kot, welcher mitunter auch schleimig oder blutig sein kann. Von der Aufnahme der Cysten bis zur Erkrankung vergehen meist ĂŒber 10 Tage.

Giardien bei adulten Hunde und Hundesenioren :

Bei ausgewachsenen Hunden die ĂŒber ein gut funktionierendes Immunsystem verfĂŒgen ist eine Infektion mit Giardien zumeist ohne Symptome und der Körper bekommt die Infektion ĂŒber kurz oder lang selbst in den Griff. Man geht davon aus, dass etwa ein FĂŒnftel der gesamten Hundepopulation symptomlos mit Giardien infiziert ist.

Hundesenioren sind insofern etwas gefÀhrdeter an einer symptomatischen Giardieninfektion zu leiden da sie hÀufiger chronisch krank sind und dadurch ein geschwÀchtes Immunsystem haben.

Giardien bei Welpen :

Welpen und Junghunde sind sozusagen der „Lieblingswirt“ der Giardien, daher finden sich unter jungen Hunden teils hohe Anteile an latent infizierten Tieren. Latent infiziert bedeutet, dass in der Kotprobe zwar Giardien nachgewiesen werden können, diese aber keine Symptome verursachen und hĂ€ufig als Zufallsbefund festgestellt werden.

Andererseits sind Welpen und Junghunde auch die Gruppe unter den Vierbeinern, die am hÀufigsten Symptome einer Giardiasis entwickeln.

Was sind die Ursachen fĂŒr Giardien beim Hund ?

ZunĂ€chst einmal muss der Hund, um ĂŒberhaupt an einer symptomatischen Giardiasis zu erkranken, Kontakt zum Kot eines (latent) infizierten Tieres haben und die Giardiencysten oral aufnehmen, damit diese sich im Darm ansiedeln und vermehren können.

Wie bereits erwĂ€hnt ist es dann in den meisten FĂ€llen so, dass der Hund nach dem Kontakt nie die Symptome einer Giardiasis entwickelt und die Infektion selbstlimitierend verlĂ€uft. Bei einem gesunden Hund ist dies der wahrscheinlichste Verlauf, weshalb alles, was der Gesunderhaltung des Vierbeiners zutrĂ€glich ist, natĂŒrlich neben vielen anderen positiven Effekten auch den Verlauf einer Giardieninfektion positiv beeinflusst.

Giardien beim Hund : Symptome

Die Symptome der Giardiasis sind allen voran der Durchfall. Dieser kann sowohl akut und heftig auftreten als auch, was der hÀufigere Verlauf ist, intermittierend. Das bedeutet, dass der Hund immer wieder Episoden mit DurchfÀllen hat.

Die DurchfÀlle sind in der Regel sehr heftig, enthalten oft Schleim- und Blutbeimengungen und können das Tier stark schwÀchen.

Giardien beim Hund : Übertragung und Inkubationszeit

Giardien sind Parasiten die fĂ€kal-oral ĂŒbertragen werden, also ĂŒber die Aufnahme des cystenhaltigen Kots in den Magen-Darm-Trakt des nĂ€chsten Wirts gelangen. Die Inkubationszeit betrĂ€gt zumeist mehr als 10 Tage.

Giardien Übertragung auf andere Hunde :

Wenn wir Hundebesitzer einmal ehrlich sind wissen wir alle, wie schnell das geht – unser Hund schnuppert fröhlich auf einer Wiese herum und, so schnell kann man dem Vierbeiner gar kein „Pfui“ entgegenschmettern, schleckt plötzlich an einem fĂŒr ihn appetitlich anmutenden Haufen eines Artgenossen.

Wenn in diesem Kot dann Giardiencysten enthalten sind, können diese den Darm des neuen Wirts befallen. Oft kann das Immunsystem den Ausbruch von Symptomen aber wie erwÀhnt verhindern.

Giardien Übertragung vom Hund auf den Menschen, ist eine Ansteckung möglich ?

 

Hier wird es etwas komplizierter und die schnelle Antwort auf die Frage, ob eine Übertragung möglich wĂ€re ist dass es prinzipiell möglich ist. Giardien verursachen auch beim Menschen DurchfĂ€lle, wie eingangs erwĂ€hnt sind sie ein Klassiker unter den ReisedurchfĂ€llen und werden daher meistens wohl eher durch unsaubere Drinks oder Salate im Urlaub als durch den eigenen Vierbeiner ĂŒbertragen.

Nun ist es aber so, dass man inzwischen weiß dass zwar die gleiche Art ist, die sowohl Hund als auch Mensch befallen kann, es unter ihnen aber verschiedene Typen gibt, die bevorzugt eine Spezies, so eben Mensch, Hund oder auch Katzen, befallen.

Sollte der eigene Hund also an Giardiasis erkrankt sein muss grundsĂ€tzlich davon ausgegangen werden, dass man sich anstecken könnte – und deshalb mit den Ausscheidungen des Hundes hygienisch umgegangen werden. In der Praxis ist es aber sicherlich so, dass es in den seltensten FĂ€llen zu einer Übertragung kommt.

Giardien beim Hund : Diagnostik

Wenn der Hund Symptome zeigt, die auf eine Giardiasis hindeuten können, so hat der Tierarzt mehrere Möglichkeiten den Verdacht zu bestÀtigen.

Einen symptomfreien Hund zu testen wird als nicht sinnvoll angesehen, da dieser nicht behandlungsbedĂŒrftig ist.

Giardien Schnelltest fĂŒr Hunde :

Seit einiger Zeit gibt es einen bequemen Schnelltest auf Giardien, bei welchem Anteile von Giardien im Kot des Hundes nachgewiesen werden können. Der Test ist, im Gegenteil zu einer mikroskopischen Kotuntersuchung, nicht auf den Zeitraum angewiesen in welchem der Hund Giardiencysten ausscheidet und kann direkt in der Praxis des Tierarztes durchgefĂŒhrt werden.

Kotprobe :

Der Nachweis der Giardieninfektion kann auch ĂŒber eine mikroskopische Kotprobe erfolgen. Hierbei werden die ausgeschiedenen Cysten nachgewiesen, nachdem der Kot ĂŒber ein spezielles Flotationsverfahren aufbereitet wurde.

VeterinÀrmedizinische Labore bieten zudem noch genauere Verfahren an, um den Kot aufzubereiten und sehr sicher nachzuweisen, ob sich darin Giardiencysten befinden.

Die Kotprobe sollte ĂŒber einen Zeitraum von 3 Tagen gesammelt werden, da die Cysten nicht dauerhaft sondern intermittierend ausgeschieden werden.

Giardien beim Hund : Behandlung

Eine symptomatische Giardiasis sollte immer durch einen Tierarzt behandelt werden.

Zur Behandlung der Giardieninfektion des Hundes stehen aktuell zwei zugelassene Wirkstoffe zur VerfĂŒgung: Fenbendazol und Metronidazol. Welches Medikament in Frage kommt, oder ob die beiden kombiniert verabreicht werden, muss individuell von Fall zu Fall durch den behandelnden Tierarzt entschieden werden. Das von ihm vorgegebene Eingabeprotokoll sollte dann strikt durchgefĂŒhrt werden um das Ziel der Behandlung, die Symptomfreiheit, zu Erreichen.

Immer wieder liest und hört man auch, dass Hunde mit dem Wirkstoff Carnidazol behandelt wurden. GrundsĂ€tzlich ist dies ebenfalls wirksam gegen Giardien, besitzt jedoch keine Zulassung fĂŒr die Anwendung am Hund. TierĂ€rzte in Deutschland sind aber verpflichtet immer zuerst die zugelassenen Medikamente einzusetzen bevor sie „umwidmen“, also ein nicht fĂŒr die Tierart zugelassenes Medikament oder ein Medikament aus der Humanmedizin an ihre Patienten geben. Daher hat der Tierarzt in der Regel keine Möglichkeit auf individuelle WĂŒnsche des Besitzers nach Carnidazol anstatt der zugelassenen Mittel einzugehen.

ZusĂ€tzlich zu medikamentösen Behandlung sollte auf Hygiene geachtet werden. Oft wird der Einsatz von speziellen Desinfektiionsmitteln und Dampfreinigern empfohlen. Ob dies notwendig ist oder eine „normale“ Hygiene, wie man sie auch bei einer Magen-Darm-Infektion des Menschen walten lassen wĂŒrde, ausreicht sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.

Giardien beim Hund : Optimale ErnÀhrung

Hier scheiden sich die Geister und es gibt sicherlich nicht DIE optimale ErnĂ€hrung fĂŒr einen Hund mit symptomatischer Giardisis. Die meisten Hundebesitzer werden sich fĂŒr eine kommerzielle Magen-Darm-DiĂ€t entscheiden. Wer etwas individueller vorgehen möchte, etwa weil der Hund ohnehin nicht mit Fertigfutter gefĂŒttert wird, kann natĂŒrlich durch eine passende DiĂ€t die Behandlung optimal unterstĂŒtzen. Wie beim Menschen auch sind Tiere die an Durchfall leiden durch die gestörte Verdauung auf leichtverdauliche Kost angewiesen. HĂ€ufig wird eine kohlenhydratfreie ErnĂ€hrung als optimal angesehen, was auch in vielen FĂ€llen die sinnvollste Möglichkeit ist den Hund individuell zu fĂŒttern. Falls der Hund aber an akutem, sehr schwerem Durchfall  mit hohem FlĂŒssigkeits- und NĂ€hrstoffverlust leidet sind Kohlenhydrate als Energielieferant um seinen Stoffwechsel aufrecht zu erhalten eventuell kurzfristig doch notwendig bis sich die Situation des Hundes stabilisiert hat. Sinnvoll ist es daher gemeinsam mit dem Tierarzt zu entscheiden welche FĂŒtterungsart fĂŒr den eigenen Hund angemessen ist. Drastische Wechsel der FĂŒtterungsart sind bei einem Hund der aktuell symptomatisch ist ebenfalls nicht zu empfehlen – hier sollte die erfolgreiche Behandlung abgewartet werden und im Anschluss auf eine andere ErnĂ€hrung umgestellt werden, welche eine gesunde Darmflora unterstĂŒtzt. Hier bietet sich die biologisch artgerechte RohfĂŒtterung als optimale ErnĂ€hrungsform fĂŒr den Hund an. BARF wird ohnehin von vielen Besitzern kohlenhydratarm durchgefĂŒhrt und kann bis hin zu kohlenhydratfrei individuell vom Besitzer auf den Hund abgestimmt werden.

Fazit

Zusammenfassend betrachtet sind Giardien Parasiten, mit welchen sich Hunde und andere SĂ€ugetiere seit Jahrtausenden auseinandersetzen. Dies zeigt sich auch darin, dass ein Großteil der infizierten Hunde nie an Giardiasis erkrankt und daher schulmedizinisch auch nicht behandlungsbedĂŒrftig ist. Die symptomatische Giardiasis ist, bei guter Zusammenarbeit mit dem Tierarzt und einer guten „Nachsorge“ durch hochwerte FĂŒtterung und Förderung der Darmflora, ein grundsĂ€tzlich gut beherrschbare Erkrankung – entgegen vieler Schreckensberichte aus dem Internet (aber dort liest man ja ohnehin nur von FĂ€llen, bei welchen es schief ging – einfach zu berichten „therapiert, dann war’s weg“ ist langweilig).

Sollte der eigene Hund also an Durchfall erkranken und Giardien nachgewiesen werden so ist dies kein Grund zu verzweifeln – hilfreich ist, zunĂ€chst dem mit der Erkankung erfahrenen Tierarzt zu vertrauen und im Anschluss an die Erkrankung weitere Maßnahmen wie die Umstellung der FĂŒtterung anzustreben. Zumeist ist das Thema Giardien dann schnell eins, das der Vergangenheit angehört.

 

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